Natürlich, künstlich - was soll das?
(Veröffentlicht in der Anthologie: " Frauen", Baltrum Verlag , 2023)
Nach dem starken Ruck stand er still. Das Licht schaltete sich
aus und Schweigen füllte diesen Ein-Quadratmeter großen Raum.
Tiefes Atmen war hörbar. Eine hysterische Stimme rief: »Der
Notknopf. Wir müssen den Notknopf drücken.« Ein ängstliches
Flüstern fügte hinzu: »Ich bekomme keine Luft.« »Entspannen Sie
sich, in dreißig Minuten sind wir hier raus.«, entgegnete eine
gelassene Stimme. »Der Notknopf funktioniert nicht.« »Das
sagten Sie bereits.« »Handyempfang haben wir auch nicht.« Eine
der Frauen drückte den Knopf der Freisprechanlage, offenbarte
lautstark das Problem und griff nach ihrem Feuerzeug, um Licht
ins Dunkel zu bringen.
Ella, 34, Single, Programmiererin
Karla, 38, geschieden, zwei Kinder, Statistikerin
Toni, 33, kurz vor der Hochzeit, Deep Learning (Analyse von
Datensätzen)
Drei Frauen standen sich an diesem Sommermorgen auf
engstem Raum gegenüber. Zufälle gibt es. Und rein zufällig hatten
alle drei die gleiche Intention. Sie waren so unglaublich
verschieden und dennoch hatten sie große Gemeinsamkeiten.
Ella setzte sich auf den Boden, nahm sich ihr Frühstücksbrot aus
der Dose und biss genussvoll hinein. »Wie kann man denn jetzt
essen?«, fragte Toni. Ella redete mit vollem Mund: »Jetzt habe ich
Zeit, kann nochmal mein heutiges Bewerbungsgespräch
durchgehen.« »Was für ein Bewerbungsgespräch?«, erkundigte
sich Karla. »Na bei der Firma AlRAM-Tech, ich sollte mich heute
um 10:00 Uhr vorstellen. Werde wohl zu spät kommen.« Karla und
Toni redeten zeitgleich und warfen ein, dass sie auch eine
Einladung hätten. Die drei Frauen sahen sich ungläubig an,
redeten aufgeregt durcheinander und fühlten sich irgendwie
miteinander verbunden. Alle Details ihres heutigen Treffens waren
identisch, die Bewerbungszeit, der Ort, die Firma, einfach alles.
Die Beweggründe, den neuen Job anzunehmen, waren jedoch
unterschiedlich. Für Karla stand das Gehalt im Vordergrund, für
Toni eine Portion Selbstbestätigung und für Ella war es eine
Männeroase. Diese deutsche Niederlassung der Firma mit dem
Hauptsitz in UK suchte Fachkräfte für KI-Dienste.
Lyrik
Abstände
(Veröffentlicht in : "Brandenburger Landschaften", Dorante Edition)
Menschen finden zueinander,
und irgendwann
ist die die Zeit dann ran,
entsteht ein Abstand zwischen Frau und Mann.
Frauen gebären Kinder,
und irgendwann
ist die Zeit dann ran,
entsteht ein Abstand im bisherigen Familienbann.
Menschen haben Kinder,
und irgendwann
ist die Zeit dann ran,
entsteht ein Abstand zwischen Generationen und den Lebensjahren,
die die Menschen in sich tragen.
Menschen haben Freunde,
und irgendwann,
ist die Zeit dann ran,
entsteht ein Abstand und zerreißt das Band.
Jeder hat ein Leben,
und irgendwann,
ist die Zeit dann ran,
entsteht ein tragischer Rückblick und was dann?
Kommunikation im 20. Jahrhundert
-Person A trifft Person B-
Wie geht es dir?
Und mir?
Kurz entschlossen wird erzählt,
was das Gegenüber hören will,
nicht was den and`ren quält.
Oberflächlich heißt das Wort,
dass Ruhm erlangte hier und dort.
Schwächen oder Sorgen sind in der Gesellschaft ein Tabu,
drum ist die Kommunikation ein fauliges Ragout.